Die vier Grundmotivationen
Vier Grundbedingungen erfüllter Existenz. Jede stellt eine eigene Grundfrage, hat eigene Voraussetzungen, eine eigene personale Aktivität – und eigene Coping-Reaktionen, wenn sie in Not gerät. Längle hat sie 1992 in die EA eingeführt; sie sind heute das Herz der existenzanalytischen Motivationslehre.
Vergleichsmatrix · die vier Grundmotivationen im direkten Vergleich
Das GM-Tisch-Schema (Längle 1997)
Im Original-Handout „Voraussetzungen für ‚existentielles Leben‘“ stellt Längle die Grundmotivationen als Tisch dar: Die Tischplatte ist die EXISTENZ = WOLLEN; auf ihr stehen die Modalwörter KÖNNEN, MÖGEN, DÜRFEN, SOLLEN. Getragen wird die Platte von vier Beinen:
Das Bild trägt die Pointe: Existenz als Wollen steht und fällt mit allen vier Beinen — fehlt eines, kippt der Tisch.
Einsteigen
Sein-Können
„Kann ich sein in dieser Welt?“ – mit Schutz, Raum und Halt. Bei Bedrohung: Flucht, Aktivismus, Aggression, Totstellreflex. Existentielles Ja: Ja zur Welt.
2. GrundmotivationMögen-Leben
„Mag ich leben?“ – mit Nähe, Zeit, Beziehung. Berührtsein als Aktivität. Bei Verlust: Trauer, depressive Dynamik. Existentielles Ja: Ja zum Leben.
3. GrundmotivationEigen-Sein-Dürfen
„Darf ich so sein?“ – mit Beachtung, Wertschätzung, Gerechtigkeit. Authentizität als Aktivität. Existentielles Ja: Ja zum Selbst.
4. GrundmotivationSinn-Wollen
„Wofür ist es gut?“ – mit Strukturzusammenhang, Tätigkeitsfeld, Wert in der Zukunft. Hingabe als Aktivität. Existentielles Ja: Ja zum Sinn.
Quer durch die vier GMs
- Längle, A. (1997). GM-Tisch: Voraussetzungen für „existentielles Leben“ (Handout).
- Längle, A. (2016/2025). Die existentiellen Grundmotivationen (Übersichts-Handout).
- Längle, A. (Hrsg.) (2016). Lexikon der Existenzanalyse und Logotherapie (4., erw. Aufl.). Wien: GLE. Stichworte: Grundmotivationen, Copingreaktion.
- Längle, A. (1999). Was bewegt den Menschen? Die existentielle Motivation der Person. Existenzanalyse 16,3, 18–29.
- Längle, A. (2002). Die Grundmotivationen menschlicher Existenz als Wirkstruktur existenzanalytischer Psychotherapie. Fundamenta Psychiatrica 16,1, 1–8.