Paradoxe Intention
Eine der bekanntesten Frankl-Techniken — und keine bloße Methode der Angstkonfrontation. Die Person nimmt sich paradoxerweise genau das vor, wovor sie sich fürchtet. Damit unterbricht sie den Teufelskreis der Erwartungsangst und erfährt sich als jemand, der dem Bedrohlichen etwas entgegensetzen kann.
Wie sie wirkt
Die Paradoxe Intention dreht die Angst-Logik um: Wer Angst hat, dass etwas Schlimmes passiert, vermeidet — und die Angst wird größer. Wer paradox wünscht, dass es passiert, durchbricht die Vermeidung. Damit:
- wird der Erwartungsangst durch mutiges Provozieren der Boden entzogen,
- wird der unrealistische, überhöhte Anteil der Angst aufgedeckt,
- wird das realistische Scheitern-Können angenommen,
- wird die Grenze des Willens und die Notwendigkeit des Lassens geübt,
- wird das Erleben der Ohnmacht vor der Angst aufgehoben.
Frankl: „Die Angst wird unverrichteter Dinge nachgeben.“ Sie ist im Kern eine strukturbildende Methode, keine symptomorientierte.
Beispiel (nach Frankl)
„Sie sollen umfallen — möglichst auffällig.“
Eine soziophobe Patientin hat Angst, durch ihren „torkeligen Gang“ aufzufallen und ob ihres Schwindelgefühls zu kollabieren. Sie lernt, sich vorzunehmen: täglich einen besonders auffälligen Ausgang zu unternehmen, dabei am besten gleich mehrmals zu kollabieren — vor der Wohnung der „heuchlerischen“ Nachbarin, dann im Geschäft, dann auf der Straße. Wie ein Stehaufmännchen wird sie zum Schrecken aller umfallen, alle sollen es bemerken und denken: „welch eine arme, verrückte Person …“
Voraussetzungen für den Einsatz
- Exakte Diagnose: Erwartungsangst (nicht generalisierte oder psychotische Angst).
- Vertrauensbasis zwischen Therapeut und Klient.
- Verständliche Information über Entstehung und Aufrechterhaltung der Angst.
- Ontologische Vorarbeit am Grundvertrauen (1. GM).
Indikation und Kontraindikation
Verhältnis zu anderen Methoden
Die PI ist nicht Exposition im verhaltenstherapeutischen Sinn. Exposition zielt auf Habituation; die PI zielt auf Selbstdistanzierung und Trotzmacht. In der Praxis oft kombiniert mit PP (Stabilisierung) und Dereflexion (Aufmerksamkeitsumlenkung). Bei tieferer Bearbeitung später PEA.
Verbindungen
1549110759_EA-Lexikon-12-2016-10-1.pdf· Stichwort: Paradoxe Intention3_Angst_-_13_-_Paradoxe_Intention_Lexikon.pdf·3_Angst_-_14_-_Paradoxe_Intention_01.pdf- Frankl V.E. (1938): Erstpublikation; ausgearbeitet in Frankl (1982): Theorie und Therapie der Neurosen. Reinhardt, München.