Setting
Das Setting ist der Rahmen, den es braucht, damit Beratung/Therapie gut und möglichst störungsfrei stattfinden kann — abgestimmt auf die Bedürfnisse und Erfordernisse guter Arbeitsbedingungen für beide: Klient und Berater/Therapeut. Längle gliedert es in drei Bereiche: Erstkontakt, äußerer Rahmen, Gesprächsform.
Bestandteile des Settings
Erstkontakt · Abklärung
Am Telefon klären: Thema (worum geht es?), Dringlichkeit, Hinweis auf die Dauer der Störung/des Problems, Hintergrund (über wen gekommen?).
Erstkontakt · Selbstprüfung & Termin
Selbstprüfung: Kann ich diesen Patienten übernehmen? Trau ich mir das zu? Hab ich Zeit und Kraft? Bei Unsicherheit: Hätte ich Supervisionsmöglichkeit? → Terminvereinbarung (zur genaueren Abklärung/Weiterleitung oder zur Therapie/Beratung); Termin nicht in zu weiter Ferne, Telefonnummer erfragen. Sonderfragen: Honorar, Krankenkasse, Therapierichtung, Frequenz, Ort.
Raum & Einrichtung
Einladend, zum Wohlfühlen — aber Arbeitsatmosphäre (kein privater Wohnraum). Schützende Distanz zwischen Patient und Therapeut ermöglichen; Ruhe und Verweilen-Können; Licht eher gedämpft; Uhr sichtbar im Raum empfehlenswert; nach jedem Gespräch lüften (auch symbolischer Wert).
Kleidung & Sitzordnung
Kleidung: dezent, weder steif noch leger, kein starkes Parfüm/Make-up. Die Aussage: „Alles aus meiner Welt steht im Hintergrund." Sitzordnung: Empfehlung übers Eck oder am „Kaffeehaustisch"; dem Patienten evtl. Auswahl freistellen. Keine weichen Polstermöbel (≠ Arbeitsatmosphäre). Telefon: in der Regel abgeschaltet.
Formalia
Stundenlänge = 50 Minuten. Form der Bezahlung und Belegerteilung klären (Verschwiegenheitspflicht beachten: Name nicht auf den Durchschlag, den das Finanzamt einsehen kann). Erreichbarkeit für Absagen und Notfälle; Urlaube/Abwesenheiten bekanntgeben. Absageregelung — sie muss für mich stimmen; Grundsatzregelung mitteilen. Auf Patientenrechte und besonders die Verschwiegenheitspflicht hinweisen. Überziehungen und Telefon-Kontakte bezahlen lassen.
Dokumentation & Zusammenarbeit
Dokumentation (Minimum, auch zum Selbstschutz): Datum, Sitzungslänge, evtl. Anlass, Überweisungen, Besonderheiten, Medikamente. Zusammenarbeit: keine Ratschläge auf Gebieten, für die man nicht ausgebildet ist (Arzt, Jurist — Haftung!); mit Angehörigen grundsätzlich nur auf Wunsch des Patienten; Anrufe von Angehörigen dem Patienten immer mitteilen. Sich nie ein Versprechen abnehmen lassen, etwas nicht weiterzusagen: „Grundsätzlich sage ich alles weiter, was für den Patienten und unsere Beziehung wichtig ist."
Gesprächsform · Grundhaltung & Abstinenz
Personale Grundhaltung der EA: Als Personen stehen wir auf gleicher Ebene — immer mit Einverständnis des Patienten arbeiten und es anfragen. Abstinenz: in privaten Dingen und in puncto Eigeninteresse. Grundregeln: 1. Keine Ratschläge zu Trennung oder Beziehungs-Eingehen — Verantwortung beim Patienten belassen! 2. Wahrung der Intimität: keine Namen anfragen, wenn nicht erforderlich.
Therapieziel & Frequenz
Therapieziel definieren: Was wäre für den Patienten ein „Erfolg" der Gespräche? Differenzieren zwischen Bearbeitung eines aktuellen Problems und länger dauernder Persönlichkeitsentwicklung/Reifung. Frequenz: Standard 1× pro Woche 1 Stunde; variabel — Doppelstunden, in Krisen engere Abstände bis zu täglich, gegen Therapie-Ende größere Abstände.
Stundenstruktur
Eröffnungsphase (ca. 5 Min.): nach den aktuellen Lebensumständen fragen, nach dem „In-der-Welt-Sein"; an die letzte Stunde anknüpfen; Themen abstimmen — auch der Therapeut muss es für gut finden, worüber gesprochen wird; „Hausaufgaben" immer nachfragen. Arbeitsphase. Schlussphase: einige Minuten vor Schluss ankündigen („Wir kommen langsam zum Schluss …"), zusammenfassen („Was war heute wichtig?"), evtl. konkrete Heimarbeit — als Vorschlag, nicht als Auftrag.
Was das Setting bewirkt
Das Setting ist kein bürokratisches Beiwerk — es wirkt selbst. Längle: Das Setting gibt eine gewisse Sicherheit, Vertrauen, den Rahmen — es markiert die Professionalität. Macht man darin Fehler, fühlt man sich etwas unwohl, oder der Patient fühlt sich belastet oder gestört in der Arbeit. Und: „Im Vergleich zur Therapie ist Setting der Rahmen und nicht das Bild." Allein die Konstanz (gleicher Raum, gleiche Zeit) macht für viele Klienten existenziell etwas möglich, was im Alltag fehlt: einen Halt-Punkt.
Ein schlechtes Setting kann Therapie verunmöglichen — wenn Termine ständig verschoben werden, der Raum nicht ungestört ist, das Honorar undurchsichtig bleibt, die Schweigepflicht unklar ist. Klienten fühlen das, auch wenn sie es nicht benennen.
Fall-Beispiele
Klientin, schwere Trauma-Vorgeschichte, kommt 18 Monate lang jeden Mittwoch 14 Uhr. „Ich weiß, dass Sie da sind, das hat mich oft durch die Woche gebracht." Das Setting selbst ist therapeutisch geworden.
Klient sagt 4 Termine in Folge kurzfristig ab. Statt zu verärgern, bringt der Therapeut das ein: „Was zeigt sich uns hier?" — Es wird sichtbar: der Klient hat Angst vor Nähe und vermeidet, sobald es tief wird. Das Vermeidungs-Muster wird zentral.
Bei einer Klientin wurde der Therapievertrag unklar formuliert, Stornofristen nie geklärt. Nach einem Konflikt fühlt sie sich „belogen über das Geld" — und bricht ab. Hier war nicht der Konflikt das Problem, sondern dessen unverhandelbare Form.
Verbindungen
- Längle, A. (1984). Setting (Curriculum-Handout): Erstkontakt · äußerer Rahmen · Gesprächsform.
- Längle, A. (2008). Haltungen und praktische Vorgangsweisen in existenzanalytischer Paartherapie und Beratung. Existenzanalyse 25/2 (Paar-Setting).