Persönlichkeitsstörungen · Übersicht
Persönlichkeitsstörungen sind in der EA keine isolierten Symptombilder, sondern Verfestigungen jener Coping-Reaktionen, die ursprünglich zur Bewältigung einer bedrohten GM aufgerichtet wurden. Sie betreffen den Menschen nicht situativ, sondern in der Struktur seines Erlebens.
PS-Block — acht vertiefende Seiten
Drei Schweregrade — dimensionaler Schwerpunkt
- Neurose: Schwerpunkt in der noetischen Dimension. Der Mensch nimmt Stellung zu seinen Symptomen, leidet daran, hält Distanz. Symptom und Person sind unterscheidbar.
- Persönlichkeitsstörung: Schwerpunkt in der psychischen Dimension. Die Coping-Reaktion ist zur Persönlichkeitsstruktur geworden. Haltloses Reagieren, die noetische Distanz ist klein bis fehlend. „Ich bin halt so."
- Psychose: Schwerpunkt in der körperlich-vitalen Dimension. Das Ich ist ichfern, die Realitätsprüfung selbst ist gestört. Person und Krankheit sind kaum mehr trennbar.
Diese Dreiteilung ist graduell, nicht kategorial — innerhalb einer Person können Schichten verschiedener Schwere koexistieren (z.B. neurotische Symptome bei narzisstischer Grundstruktur).
Fall-Beispiel
„Die Therapeuten halten mich nie aus"
34-jährige Patientin, bricht Therapien regelhaft nach 3 Monaten ab, berichtet von innerer Leere, gelegentlichem Schneiden. Idealisiert den Therapeuten in den ersten 20 Minuten („Endlich verstehen Sie mich"), entwertet in den nächsten 20 Minuten („Sie sind genau wie die anderen"). Klinisch Cluster B mit Borderline-Schwerpunkt. EA-Diagnose: Epizentrum 3. GM (Selbstwert-Verletzung, „ich bin falsch"), sekundäre Erschütterung 2. GM (Beziehungen tragen nicht). Therapie wird auf 2 Jahre Strukturierungsphase angelegt.
Verbindungen
Längle, A. (1998) · Verständnis und Therapie der Psychodynamik in der EALängle, A. (2005) · Persönlichkeitsstörungen und TraumageneseLängle, A. (2008) · Existenzanalytischer Überblick über die PS