Störungen · Persönlichkeitsstörungen

Persönlichkeitsstörungen · Übersicht

Persönlichkeitsstörungen sind in der EA keine isolierten Symptombilder, sondern Verfestigungen jener Coping-Reaktionen, die ursprünglich zur Bewältigung einer bedrohten GM aufgerichtet wurden. Sie betreffen den Menschen nicht situativ, sondern in der Struktur seines Erlebens.

Meta · 60-Sekunden-Take

Die Neurose enthält noch eine Stellungnahme; die PS ist „haltloses, durch den Reiz entkoppeltes Reagieren mit eingeschliffener, stereotyper Psychodynamik". Der Mensch operiert mit Psychodynamik, nicht aus personaler Mitte. Längle: PS = die fixierte Struktur, in der die Coping-Reaktionen einer GM zur Persönlichkeitsform geworden sind. Zentrales Spaltungsmoment liegt in der 3. GM. Sprint behandelt Definition, Anthropologie, Cluster, Entstehung, Borderline, Narzissmus, Dissozial.

PS-Block — acht vertiefende Seiten

Drei Schweregrade — dimensionaler Schwerpunkt

Diese Dreiteilung ist graduell, nicht kategorial — innerhalb einer Person können Schichten verschiedener Schwere koexistieren (z.B. neurotische Symptome bei narzisstischer Grundstruktur).

Vertiefung · „Operieren mit Psychodynamik" — was bedeutet das klinisch?

Längle gebraucht die Formel, um zu unterscheiden zwischen einem Menschen, der Psychodynamik hat (Affekte, Reaktionen, Reflexe) und einem Menschen, der aus der Psychodynamik heraus handelt — ohne personale Mitte als Filter. Beim PS-Patienten ist der Reiz und die Reaktion fast deckungsgleich: Kränkung → Wut, Verlassen → Selbstverletzung, Bewunderung → Grandiosität. Das Personale ist nicht aufgehoben (anders als bei der Psychose), aber es ist zum Zuschauer eines automatisierten Prozesses geworden.

Vertiefung · Warum PS schwer beratbar, aber gut therapierbar sind

Beratung setzt eine Person voraus, die mit ihrem Reagieren in Distanz treten kann — das ist bei PS strukturell beeinträchtigt. Therapie hingegen schafft erst jene Distanz, in der dann auch Beratung möglich wird. Längle: die Hauptrichtung der PS-Therapie ist Personalisierung — der Patient soll erst zur Person werden, die mit ihrer Psychodynamik in Beziehung treten kann.

Fall-Beispiel

Fall· Erstkontakt

„Die Therapeuten halten mich nie aus"

34-jährige Patientin, bricht Therapien regelhaft nach 3 Monaten ab, berichtet von innerer Leere, gelegentlichem Schneiden. Idealisiert den Therapeuten in den ersten 20 Minuten („Endlich verstehen Sie mich"), entwertet in den nächsten 20 Minuten („Sie sind genau wie die anderen"). Klinisch Cluster B mit Borderline-Schwerpunkt. EA-Diagnose: Epizentrum 3. GM (Selbstwert-Verletzung, „ich bin falsch"), sekundäre Erschütterung 2. GM (Beziehungen tragen nicht). Therapie wird auf 2 Jahre Strukturierungsphase angelegt.

Quellen
  • Längle, A. (1998) · Verständnis und Therapie der Psychodynamik in der EA
  • Längle, A. (2005) · Persönlichkeitsstörungen und Traumagenese
  • Längle, A. (2008) · Existenzanalytischer Überblick über die PS