PP · Personale Positionsfindung
Eine schlanke, gut handhabbare Methode gegen Passivierungsgefühle. Drei Schritte — fest-stellen, sich ein-stellen, sich dazu-stellen. Spezifisch wirksam bei Angst, Depression, generalisierenden Annahmen und Selbstunsicherheit. Die PP ist die Vorläuferin der PEA und teilt mit ihr eine formale Analogie.
Die drei Schritte der PP — von der Realitätsprüfung zur Wertorientierung
Wann PP, wann PEA?
Die PEA ist die umfassendere Methode. Die PP ist schlanker und schneller wirksam. Wann was?
Die drei Schritte im Detail
1Position nach außen · Fest-stellen
Was ist real der Fall? Realitätsprüfung. Der Klient ist in einer Angst- oder Depressions-Schleife mit generalisierenden Annahmen — „alle anderen sind besser", „ich werde versagen", „mich kann niemand ernst nehmen". Der erste PP-Schritt prüft: stimmt das? Tatsächlich? Woran kann man das sehen?
Das Ziel ist nicht Beruhigung („so schlimm ist es ja gar nicht"), sondern nüchterne Aufstellung der Tatsachen. Was ist real? Was ist befürchtet? Was ist generalisiert?
Wirkung: Abgrenzung, situative Entflechtung, Schutz. Der Klient kommt aus dem Sog der Verzerrung heraus.
Typische Fragen:
- „Stimmt das wirklich, was Sie da befürchten?"
- „Woran sehen Sie das? Welche konkreten Anzeichen?"
- „Was kann real passieren? Wie wahrscheinlich ist das?"
- „Wie war das in vergleichbaren Situationen früher?"
2Position nach innen · Sich ein-stellen
Was, wenn es schiefginge? Selbst-Distanzierung von den eigenen Ansprüchen. Der Klient wird eingeladen, sich vorzustellen, dass das Befürchtete tatsächlich einträte — und zu prüfen, ob er es aushalten könnte.
Das ist paradox: nicht „beruhige dich, es wird nicht passieren", sondern „angenommen, es passiert — könntest du damit umgehen?". Diese Frage führt aus der Vermeidungs-Schleife heraus. Wenn die Antwort „ja, das könnte ich aushalten" lautet, fällt die Angst zusammen.
Wirkung: innere Freigabe. Die Person stellt sich auf die eigenen Kräfte ein — und merkt, dass sie mehr aushalten kann, als sie dachte.
Typische Fragen:
- „Angenommen, das Schlimmste tritt ein — könnten Sie das aushalten?"
- „Was hätten Sie an Kräften, wenn es so käme?"
- „Haben Sie schon mal Schwereres durchgestanden?"
- „Welche Bedingungen müssten erfüllt sein, damit Sie damit umgehen könnten?"
3Position zum Positiven · Sich dazu-stellen
Worum geht es mir eigentlich? Selbst-Transzendenz. Der Klient richtet seine Aufmerksamkeit weg vom Befürchteten — und hin zum Wert, der ihm in der Situation eigentlich wichtig ist. Was will er? Was ist sein Anliegen?
Das ist der konstruktive Schritt. Die Angst wird nicht mehr bekämpft — sie wird übersprungen, indem die Person sich an einen Wert wendet, der größer ist als die Angst.
Wirkung: Stärkung der personalen Intentionalität. Der Klient kommt aus der Abwehr-Logik heraus und in die Werte-Logik hinein.
Typische Fragen:
- „Worum geht es Ihnen eigentlich in dieser Situation?"
- „Was ist Ihnen daran wichtig?"
- „Was wollen Sie?"
- „Wofür sind Sie da — was wartet?"
Wichtig: PP 3 deckt sich weitgehend mit Frankls Dereflexion — der Aufmerksamkeit weg vom Symptom und hin zum Wert. Beide Verfahren funktionieren über Selbsttranszendenz.
Eine Panik im Wartezimmer
Klientin im Wartezimmer der Therapeutin, kurz vor Beginn — schwere Panik. „Ich bekomme keine Luft. Ich glaube, ich falle gleich um. Mich sieht hier jeder.“ Die Therapeutin: „Setzen Sie sich. Wir machen das mal in drei Schritten zusammen. Erstens — schauen Sie sich um. Schaut Sie hier wirklich jemand an?“ — „Nein, eigentlich nicht.“ — „Zweitens. Angenommen, es würde Sie wirklich jemand anschauen. Was wäre das Schlimmste, das passieren könnte?“ — „Dass ich peinlich wirke.“ — „Könnten Sie das aushalten, wenn jemand Sie peinlich findet?“ Pause. „Ja… eigentlich schon.“ — „Drittens. Was haben Sie sich für die Stunde vorgenommen?“ — „Ich wollte über meinen Vater reden.“ — „Das ist Ihnen wichtig?“ — „Ja, sehr.“ Klientin atmet tief. Die Panik ist im Wesentlichen weg.
Verbindungen
1549110759_EA-Lexikon-12-2016-10-1.pdf· Stichwort: Personale Positionsfindung (PP)- Längle A. (1994): Die Personale Positionsfindung (PP). In: Bulletin GLE 10, 3, 6–21 (Grundlagenpublikation)
- Längle A. (1997): Die personale Positionsfindung (PP) in der Angsttherapie. In: Klinische Psychotherapie, Springer, Wien, 284–297
- Fischer-Danzinger D., Janout U. (2000): Die personale Positionsfindung. In: Existenzanalyse 17, 1, 42–46