Paartherapie
Längles Paartherapie strukturiert die Paarbeziehung entlang der vier Grundmotivationen — jede Partnerin und jeder Partner braucht in der Beziehung Halt, Mögen, Eigenes, Sinn.
Die 10 Schritte der Strukturierungsanleitung
Spontanbericht
Beide schildern frei, was sie hierher führt — ohne Unterbrechung, ohne Bewertung. Der Therapeut hört und sammelt.
Problemfokus
Was ist jetzt das Dringlichste? Ein Punkt wird gewählt — nicht alles auf einmal. Längle: „Kommunikationsstörungen immer als erstes ansprechen, lieber Probleme liegen lassen!"
Problemanalyse
Wann tritt es auf, wie genau, was geht voraus, was folgt? Phänomenologische Schärfung — beide schauen gemeinsam auf das Muster.
Subjektive Sicht
Jede(r) schildert, wie er/sie es erlebt — nicht, was der/die andere falsch macht. Zwei Wahrheiten dürfen nebeneinander stehen.
Problemgeschichte
Seit wann? Was hat sich verändert? Welche Lebensereignisse (Kinder, Krankheit, Beruf, Verluste) haben das Klima verschoben?
Beziehungsmotivation
Warum sind wir noch zusammen? Was hält uns? Was wollen wir miteinander? Wertfrage zuerst, Problemfrage später.
Trennungsgedanke
Der Gedanke an Trennung muss denkbar sein. Wer nicht gehen darf, kann nicht frei bleiben. Das ist nicht Provokation, sondern Voraussetzung freier Bindung.
Verträge · Beziehungsabend
Konkrete Vereinbarungen: ein wöchentlicher Beziehungsabend, klare Regeln für strittige Themen, Abgrenzung vom Alltag. Längle: „Wer gute Verträge hat, kann sich gut vertragen."
Aussprachen
Übung des Sprechens und Hörens — strukturiert, mit Spiegeln, Bitten statt Vorwürfen. Beziehungssprache als Handwerk.
Tiefere Paartherapie mit PEA
Wenn das Setting trägt: biographische Arbeit, PEA im Paar, Bearbeitung von Verletzungen und Übertragungen — bis hin zur paartherapeutischen Tiefe.
4-GM-Modell der Paardynamik
Halt
1. GM · gemeinsamer Raum
Positive Frage: Kann ich bei dir sein? Bist du verlässlich? Negativbild: Misstrauen, Unsicherheit, ständiges Kontrollieren, Verlassenheitsangst.
Mögen
2. GM · Wert füreinander
Positive Frage: Mag ich dich, mag ich uns? Negativbild: Gleichgültigkeit, Verflachung, fehlender Beziehungsabend, Vermeidung von Berührung.
Eigenes
3. GM · Würdigung des Andersseins
Positive Frage: Darf ich bei dir ich sein? Siehst du, wer ich bin? Negativbild: Reduktion auf Funktion (Mutter, Ernährer), Übersehen, Bewertungen statt Würdigung.
Gemeinsame Aufgabe
4. GM · geteilter Sinn
Positive Frage: Wohin gehen wir miteinander? Wofür sind wir Paar? Negativbild: Nebeneinander-Existieren, geteilte Logistik ohne Vision, Verlust der gemeinsamen Richtung.
PEA im Paar — drei Fragen
PEA-1 · „Was mag ich an Dir?"
Die Eindrucksfrage — auf den/die andere(n) gerichtet. Phänomenologisch: was berührt mich an dir, gerade jetzt? Was ist mir lieb? Reaktivierung der 2. GM im Paar.
PEA-2 · Stellungnahme
Wie stehe ich zu dir? Was hat sich verändert, was bleibt? Wo kann ich Ja sagen, wo schwer? Hier wird Wahrheit gewagt, ohne zu verletzen.
PEA-3 · „Was möchte ich Dir geben?"
Die Handlungsfrage — Zuwendung in einer konkreten Geste, einem Wort, einer Zeit. Liebe als geschuldete und geschenkte Handlung, nicht als bloßes Gefühl.
Fall-Beispiel
„Wir haben uns nichts mehr zu sagen"
Paar, beide 45, drei Kinder, in Therapie wegen „wir haben uns nichts mehr zu sagen". Im 4-GM-Check zeigt sich: Halt und gemeinsame Aufgabe sind solide (1./4. GM — wirtschaftlich stabil, Erziehung im Einklang), aber das Mögen (2. GM) ist verflacht — kein Beziehungsabend seit Jahren — und Wertschätzung (3. GM) ist einseitig: sie fühlt sich auf ihre Funktion als Mutter reduziert. Vertrag: fester Donnerstagabend, eine Stunde zu zweit, mit PEA-1-Frage zu Beginn („Was hat mich diese Woche an Dir berührt?"). Keine Logistik in dieser Zeit. Nach drei Monaten: Wut weicht Zärtlichkeit; sie wagen ein gemeinsames Wochenende ohne Kinder. Die Beziehung ist nicht neu — aber wieder in Bewegung.
Verbindungen
Längle, A. (1993/97) · Paartherapie — existenzanalytisches VorgehenGLE-Studienskript · 6_PAAR.pdf