Trauma · Übersicht
Trauma ist in der EA keine Symptomstörung, sondern eine existentielle Entwurzelung — eine Erschütterung, die alle vier Grundmotivationen gleichzeitig trifft.
Trauma-Block — fünf vertiefende Seiten
PTBS-Trias — deskriptive Folie
DSM und ICD beschreiben die Posttraumatische Belastungsstörung über drei Symptomgruppen, die als klinische Folie hilfreich, aber existenzanalytisch zu eng sind. Sie beschreiben das Was, nicht das Wozu der Symptome.
- Wiedererleben (Intrusionen): Flashbacks, Albträume, Bilder, körperliche Reaktionen bei Triggern. Das Trauma drängt unkontrolliert in die Gegenwart zurück.
- Vermeidungsverhalten: Aktives Aus-dem-Weg-Gehen von Personen, Orten, Gesprächen, die an das Trauma erinnern. Numbing, emotionale Abflachung, Rückzug.
- Erhöhte Erregbarkeit (Hyperarousal): Schlafstörungen, Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen, Schreckhaftigkeit, Hypervigilanz.
Existenzanalytisch sind diese drei Symptomgruppen Ausdruck einer protrahierten PEA-Lähmung: die personale Verarbeitung kommt nicht in Gang, der Mensch erstarrt im Zustand des Entsetzens. Es gibt keinen Leidens-Prozess, nur einen Leidens-Zustand.
Fall-Beispiel
Elsa — „Ich bin schlecht, ich bin billig"
Elsa, 50, leidet seit 20 Jahren an depressiven Verstimmungen und ausgeprägter Sozialangst. Im Anamnesegespräch wird die zentrale Verletzung sichtbar: vom Schwager öffentlich als „Hure" denunziert; die eigene Mutter glaubte ihm und warf sie hinaus. Resultat: chronisches Gefühl „Ich bin schlecht, ich bin billig, ich bin nicht zum Mögen". Klassisch wäre die Symptomatik als rezidivierende Depression mit sozialphobischer Komorbidität kodiert worden — doch der existenzanalytische Blick zeigt die traumatische Wurzel in der Verletzungskette. Erst die PEA-gestützte Bearbeitung dieser Kette (in Distanz, über Monate) löste die Sozialangst auf.
Verbindungen
Längle, A. (2006) · Trauma und Sinn — Wider den Verlust der MenschenwürdeLängle, A. & Bukovski, K. (2010/2019) · PEA in DistanzAPA · DSM-5 · WHO · ICD-10/11