Störungen · Lernfragen

Quiz · Schizophrenie

12 Lernfragen zu Diagnose, Existenz und Therapie der Schizophrenie nach Längle. Anki-tauglich.

Meta · 60-Sekunden-Take

Sammlung zur Prüfungsvorbereitung. Jede Frage steht im Summary — die Antwort öffnet sich beim Aufklappen. Empfohlene Nutzung: Frage lesen, Antwort innerlich formulieren, dann öffnen und vergleichen.

12 Prüfungsfragen

Q1 · In welcher Dimension der Anthropologie verortet die EA die Schizophrenie primär?

In der somatischen (körperlichen) Dimension — als (neuro-)physiologische Destabilisierung. Psychische und noetische Dimension sind sekundär mitbetroffen.

Q2 · Wie lautet die Diagnose-Regel für F20 nach ICD-10?

Ein Symptom aus den Gruppen 1–4 (Erstrangsymptome) ODER zwei Symptome aus 5–8, mindestens einen Monat.

Q3 · Nennen Sie vier Schneidersche Erstrangsymptome.

Gedankenlautwerden · Stimmenhören (kommentierend/dialogisierend) · Beeinflussungserlebnisse (Gefühl des Gemachten) · Wahnwahrnehmung. Auch: Gedankeneingebung, -entzug, -ausbreitung.

Q4 · Was unterscheidet Plus- und Minus-Symptome, und warum ist diese Unterscheidung therapeutisch relevant?

Plus-Symptome (Halluzinationen, Wahn, Denkstörungen) sind heute pharmakologisch gut behandelbar. Minus-Symptome (Rückzug, Affektverflachung, Antriebsverlust) sind das therapeutische Kernproblem, weil weniger gut behandelbar — Hauptfeld der EA-Begleitung.

Q5 · Welcher zentrale existentielle Verlust prägt die Schizophrenie nach Längle?

Der Verlust des Zusammenhalts — tiefer als der „Zusammenhang" der Angst. Längle nennt ihn die „intermolekulare Kraft", die den Boden des Daseins ermöglicht. Erschüttert auf drei Achsen: Welt, Mitmenschen, Selbst.

Q6 · Wie unterscheidet Längle Schizophrenie und Angstneurose phänomenologisch?

Angstneurose: „Ich gehe unter, aber nicht die Welt." Schizophrenie: „Die Welt geht unter + er geht mit ihr unter, weil sie sich auflöst." Das Nichts kommt nicht von außen, sondern von innen — kein Fallen, sondern Auflösen.

Q7 · Welche drei existentiellen Grundfragen treffen den Schizophrenen?

1) Was ist Wirklichkeit? 2) Was ist Dasein? Bin ich? 3) Den Tod bereits im Leben leben.

Q8 · Welche vier Subtypen der Schizophrenie nach ICD-10 sollten Sie nennen können?

Paranoid (Halluzinationen/Wahn) · hebephren (Affektverflachung, Zerfahrenheit) · kataton (Mutismus, Stupor, Stereotypien) · Residuum (≥ 1 Jahr Negativsymptomatik nach Positivphase).

Q9 · Warum ist die personale Existenzanalyse (PEA) im akuten Zustand kontraindiziert?

Die PEA setzt ein stabiles Ich voraus, das sich selbst gegenübertreten kann (Selbstdistanzierung). Beim akut Schizophrenen ist das Ich gerade das Zerbrechende — eine personale Konfrontation würde überfordern und destabilisieren.

Q10 · Was bedeutet „Ich-Substitution" in Längles Therapie?

Der Therapeut übernimmt Letztentscheidungen, die der Patient nicht treffen kann (z.B. Wohnungsverkauf verhindern, ggf. Sachwalterschaft beantragen, klare Verhaltens-Empfehlungen aussprechen). Die EA arbeitet hier ich-substitutiv, nicht personal.

Q11 · Warum empfiehlt Längle indikativische Sprache statt Fragen?

Fragen, Konjunktive und Andeutungen irritieren den Schizophrenen, weil sie Mehrdeutigkeit erzeugen und Anbindung an Emotion erfordern. Klare Indikativsätze geben Halt. Statt „Worüber möchten Sie sprechen?" besser „Gibt es heute etwas zu besprechen?"

Q12 · Was bedeutet „Expressed Emotion" und welche Rolle spielt sie in der Angehörigenarbeit?

EE bezeichnet ein emotional hochgeladenes Familienklima (Kritik, Feindseligkeit, Überinvolvierung). Hohe EE triggert Rückfälle. Angehörigenarbeit reduziert EE durch Information, Toleranzentwicklung und Selbsthilfe (HPE in Österreich).

Fall-Beispiel

Fall· Prüfungssimulation

„Wie würden Sie eine ambulante Schizophrenie-Begleitung gestalten?"

Klassische Prüfungsfrage. Erwartete Antwort: Auf der Basis einer gesicherten Pharmakotherapie (Antipsychotikum durch Psychiater) gestalte ich die EA-Begleitung entlang Längles 13 Leitlinien. Die Grundhaltung ist einfach da sein, sachbezogen, klar, ohne Pathos. Therapeutische Führung übernehme ich aktiv: feste Termine, klare Struktur, indikativische Sprache. Bei Letztentscheidungen, die den Patienten überfordern (Wohnsituation, Behördenkontakte, riskante Beziehungsentscheidungen), arbeite ich ich-substitutiv. Normalisierung statt Pathologisierung — das Verständliche im Erleben wird als verständlich benannt. Angehörigenarbeit reduziert Expressed Emotion und stabilisiert das Umfeld. Suizidalität wird aktiv angesprochen (9–13 % Todesursache); Suizidversprechen reichen nicht — Hospitalisierung ggf. zwingend. PEA ist im akuten Zustand kontraindiziert; in der postakuten Phase kann sehr behutsam die Verzweiflung aufgearbeitet werden (Leitlinie 12). Die Begleitung ist meist langfristig, oft über Jahre, mit niederfrequenten, aber sehr verläßlichen Terminen.

Quellen
  • Längle, A. (2005) · Therapie der Schizophrenie
  • Längle, A. (2008) · Existenzanalyse — Existentielle Zugänge der Psychotherapie
  • Längle, A. (2013) · Lehrbuch zur Existenzanalyse