Störungen · Lernfragen

Quiz · Sucht

24 zentrale Fragen aus Längles Fragenkatalog zur Sucht (2013, Prüfungskatalog 10) mit den dazugehörigen Antworten. Anki-tauglich.

Meta · 60-Sekunden-Take

Sammlung zur Prüfungsvorbereitung. Jede Frage steht im Summary — die Antwort öffnet sich beim Aufklappen. Empfohlene Nutzung: Frage lesen, Antwort innerlich formulieren, dann öffnen und vergleichen.

24 Prüfungsfragen

Q1 · Was ist „krank" bei der Sucht?

Der Wille ist krank und die authentische freie Entscheidung geht nicht mehr → verselbständigtes Verhalten (Kontrollverlust), „Entthronung der Person".

Q2 · Was sind die „existentiellen Symptome" der Sucht?

(a) Verlust der Freiheit durch Überhandnehmen des Getriebenseins. (b) Apersonales Verhalten: „Der Süchtige kennt keinen Partner" (Gabriel 1962) und er geht sich selbst verloren. (c) Simultaner Weltverlust: reduzierter Weltbezug (durchforstet die Welt nach „Stoff"), Verlust der Eigenwertigkeit der Dinge, Wahrheitsbezug.

Q3 · Wie kann Sucht (Abhängigkeit / Substanzmissbrauch) definiert werden?

Sucht ist das gleichzeitige Erleben einer imperativen Anziehungskraft eines Objekts und eines ohnmächtigen subjektiven Defiziterlebens zu widerstehen, mit ausgeprägt treibendem Charakter.

Q4 · Welches sind die Symptome der Abhängigkeit bzw. des (Substanz-)Missbrauchs?

(a) der unwiderstehliche Drang zum Stoff · (b) Dosissteigerung mit Toleranzzunahme bzw. -abnahme · (c) Craving: Aufwendung von viel Zeit und Aufmerksamkeit für die Substanzbeschaffung · (d) Entzugssymptome.

Q5 · Warum gehört die Suchttendenz zum Leben und ist in jedem gesunden Menschen vorhanden?

Jeder Mensch möchte eine pulsierende Beziehung zum Leben, und hat eine Tendenz zur Überschreitung der Grenzen des Daseins.

Q6 · Was kann als der „Suchtkeim" angesehen werden?

Wenn man zu wenig Leben lebt, zu wenig Leben fühlt, zu wenig vom Leben hat und zu wenig in Beziehung zum Leben ist (2. GM) — das macht die Gier in der Sucht.

Q7 · Welche Grundmotivation spielt die zentrale Rolle bei der Suchtentstehung, und welche Rolle spielen die anderen?

2. GM zentral. Sofern andere GMs ursächlich beteiligt sind, dann deshalb, weil sie das Gefühl nähren, vom Leben abgedrängt zu sein — z.B. durch Angst, Depression, narzisstischen Ehrgeiz, Borderline-Verhalten.

Q8 · Welches ist die dynamische Ursache der Suchtentwicklung — wie kommt es, dass die Sucht voranschreitet und einen Sog entfaltet?

Die Sucht schreitet voran im Wechselschritt zwischen intensivem Kontakt zum Lebensgefühl (Lusterleben) und Erleichterung von der Unlust.

Q9 · Welche existentiellen Haltungen kennzeichnen grundsätzlich das Suchtverhalten?

Wunschhaltung und Leidvermeidung.

Q10 · Welche unmittelbaren Folgen haben die existentiellen Haltungen in der Sucht?

Überhöhung des „Wertes" des Suchtmittels und Fixierung auf diesen „Wert" + Entfremdung vom realen Kontakt mit dem Leben → der Weg zurück in die Realität wird schwieriger, die Scheinwelt attraktiver; dazu Zunahme der Probleme in der Realwelt.

Q11 · Welche Elemente stellen in der Zusammenschau die Basis für die Suchtentstehung dar?

1. Suchtkeim 2. GM: anhaltender Wertemangel und vitale Bedürftigkeit → Lebenshunger und Wunschhaltung · 2. Defizit durch Psychopathologie · 3. Leidvermeidung und Frustrationsintoleranz (Verwöhnung) · 4. Apersonales Verhalten (3. GM) → Einsatz von distanzierenden Objekten und Verhaltensweisen · 5. Gewöhnung, Konditionierung und physiologische Parameter.

Q12 · Was ist „Craving" und welche Rolle spielt es in der Sucht?

Craving ist ein starkes, hemmungsloses, gieriges, aktives Verlangen nach dem Suchtmittel. Ohne Craving keine Sucht.

Q13 · Welche Rolle spielt der Wille in der Sucht — und wie verändert er sich?

Der Wille ist aktiv in der Suchtentstehung beteiligt — kein Mensch trinkt gegen seinen Willen. Der Süchtige ist nicht willenlos! Im Ablauf zeigt sich das „Kipp-Phänomen": vor dem Trinken will man trinken, nach dem Trinken will man es nicht. Wie eine fremde Macht ist im „süchtigen" Willen enthalten — man fühlt sich dominiert.

Q14 · Ist der Wille in der Sucht schwach oder stark?

Einerseits schwach: Er folgt nicht dem „Richtigen", dem, wo man als Person dahintersteht → daher Schuld, solange man es noch anders machen könnte. Andererseits stark in seiner Fixierung auf den überhöhten Scheinwert. → Abspaltung des Ich von der Person.

Q15 · Warum kann man sagen, in der Sucht ist der Wille krank?

Weil der Wille nicht mehr im Einklang mit der Person steht, dem eigenen Gewissen nicht mehr folgt. Das ist das „Teuflische" an der Sucht: dass hinter diesem Leiden und dieser Entfremdung der eigene Wille steht. Matthias Claudius: „Frei ist, wer wollen kann, was er soll."

Q16 · Worauf muss man in der Behandlung mit Süchtigen besonders achten?

Getäuscht zu werden — sie lügen, leugnen, verheimlichen und nützen Schwächen aus. Daher die therapeutische Haltung: kritisch, prüfend, sachbezogen, nicht zu empathisch.

Q17 · Nenne die wesentlichen Schritte in der Therapie der Sucht (Alkoholabhängigkeit).

1. Anamnese · 2. Therapieziel und Rückfallvertrag · 3. Problemverständnis und Krankheitseinsicht · 4. Selbsteinschätzung · 5. Alternativen zum Suchtverhalten · 6. Sinnfrage und Willensstärkung · 7. Existentielle Schienung (PEA-Muster) · 8. Ich-Verluste durch GM-Defizite bearbeiten · 9. Problemtherapie und biographische Arbeit · 10. Medikamente · 11. Angehörigenarbeit.

Q18 · Was ist das Ziel des Rückfallvertrags?

Verständnis entwickeln und einbinden des Rückfalls in den Therapieprozess statt ausgliedern: nicht abspalten als Versagen, nicht tabuisieren, Reduzieren von Schuld- und Schamgefühlen, Vorbeugung des Therapieabbruchs, Verlässlichkeitstraining, Übergabe in die Eigenverantwortung, Vorbau der Resignation, Bestärkung der Krankheitseinsicht.

Q19 · Was ist mit „existentieller Schienung" gemeint, und worum geht es da?

Das Arbeiten mit Zustimmung auf der Basis von Erleben — und daraus konkrete kleine Schritte ableiten (nach dem PEA-Muster: Erleben anbinden → Zustimmung prüfen → konkret umsetzen).

Q20 · Was ist unter „paradoxem Vorgehen" in der Suchttherapie gemeint?

Freiwilliges Vorweggehen in der Sucht — mit Zustimmung die Suchthandlung machen, bevor der Druck entsteht, aber schon absehbar ist.

Q21 · Welche Funktion hat die Anorexia nervosa aus phänomenologischer Sicht?

Eine Krankheit, die ausgebildet wird zum Schutz der eigenen Person vor der bedrohenden Weiblichkeit — Schutz vor der Gefahr, Frau zu sein und nicht als Person gesehen zu werden. → Nicht habhaft, nicht greifbar sein wollen. Die empfundene Angst: wahnhaft anmutende Angst, „ekelhaft fett" zu sein.

Q22 · Woraus entwickelt sich die Bulimie?

Aus fehlender oder nicht erreichbarer personaler Zuwendung zu sich (innerer Dialog, innerlich Nähe aufnehmen, sich im eigenen Körper wohlfühlen, es bei sich gut haben) → Essen wird als Mittel der Zuwendung zu sich eingesetzt. Wegen des großen Defizits wird es zur Gier → mit selbstschädigender, aggressiver Spitze.

Q23 · Wie wird die Bulimie in der EA im Spiegel der Grundmotivationen gesehen?

„Borderline-Typus der Essstörungen" durch das Vorherrschen des Leidens der 3. und 2. GM mit dem Grundthema: Selbstverlust durch fehlende Nähe (dieselbe Kombination wie bei der Borderline-Störung).

Q24 · Was ist die zentrale double-bind-Beziehungsform, die der Bulimie den Boden gibt?

Als Zuwendung verpackte Abwendung (Ablehnung).

Fall-Beispiel

Fall· Prüfungssimulation

„Wie würden Sie eine Sucht-Therapie aufbauen?"

Klassische Prüfungsfrage. Erwartete Antwort: Längles 11-stufiges Schema in der richtigen Reihenfolge. Phase Stabilisierung — Anamnese, Therapieziel, Rückfallvertrag, Krankheitseinsicht. Dann Bearbeitung — Selbsteinschätzung, Alternativen, Sinnfrage und Willensstärkung, existentielle Schienung in PEA. Dann Tiefe — Ich-Verluste durch GM-Defizite (besonders 2. GM als Suchtkeim), biographische Arbeit. Begleitend Medikation und Angehörigenarbeit. Therapeutische Haltung: kritisch-prüfend, sachbezogen, nicht zu empathisch. Methodisch zentral: PEA als tägliche Schienung, WSM für den Willen, SEM für den Sinn-Horizont. Komplementär: AA-12-Schritte als strukturierte Selbsthilfeprogramme, deren Akte (Demut, Übergabe, Bilanz, Wiedergutmachung, Spiritualität) sich entlang der vier GMs lesen lassen.

Quellen
  • Längle, A. (2013) · Fragenkatalog zur Sucht · Prüfungskatalog 10