Quiz · Angst
16 Lernfragen aus dem Prüfungskatalog 6 (GLE) — fokussiert auf Grundformen, Differentialdiagnose und Therapie-Werkzeuge. Lösungen unter den jeweiligen Fragen ausklappbar.
Diese Sammlung dient der Prüfungsvorbereitung. Jede Frage hat eine knappe Längle-Lösung. Anki-tauglich: kurze Frage, präzise Antwort.
Sechzehn Prüfungsfragen
Q1 · Gib Längles Definition der Angst an.
Angst = generalisierter Erregungszustand, gekennzeichnet durch das Erleben einer Bedrohung oder Gefahr (= partielle Schutzlosigkeit des Daseins) durch den Verlust von Halt bzw. Struktur.
Q2 · Was ist das Kriterium der Angst-Störung vs. der Angst-Krankheit?
Störung: situative Behinderung des Existenzvollzugs, Lähmungsgefühl, Passivierung („nicht können"). Krankheit: Verfestigung der Störung — Verhaltensautomatie mit fixierten Copingreaktionen, Wiederholung des behinderten Existenzvollzugs.
Q3 · Welche drei Voraussetzungen der 1. GM können verletzt sein und welche Angstform entsteht jeweils?
Schutz fehlt → Furcht / Ausgesetztsein. Raum fehlt („Klemme") → Angst im ursprünglichen Wortsinn. Halt fehlt → Angst vor dem Fall ins Nichts.
Q4 · Worin unterscheiden sich Schreck, Entsetzen und Panik phänomenologisch?
Schreck: unerwartete Konfrontation, Totstellreflex, Eigengefährdung. Entsetzen: fassungsloses Unverständnis vor Fremdem; das Vertrauen ins Dasein wird zerstört (≠ Eigengefährdung). Panik: Reaktion auf Entsetzen — anfallsartiger, ungerichteter Bewegungssturm.
Q5 · Wie lange dauert eine typische Panikattacke und warum?
Ca. 20 Minuten, weil das Adrenalin diese Zeit für den Abbau benötigt. Die Angst kann jedoch stundenlang nachwirken (Erwartungsangst).
Q6 · Nenne die drei Schritte der Personalen Positionsfindung.
PP1: Feststellen, was real der Fall ist. PP2: Sich einstellen auf das eigene Können (Aushalten einmal). PP3: Sich dazustellen zum Wert der Situation.
Q7 · Was ist das hilfreiche Agens in PP2 — und was, wenn der Patient nicht bereit ist?
Agens: Selbst-Annahme + Selbst-Konfrontation („Einmal ≠ keinmal"). Wenn nicht bereit: kritischer Punkt aufgedeckt → Belastung zu groß → Arbeit an der 1. GM (Halt schaffen, ggf. Trauma-Arbeit).
Q8 · Definiere die Paradoxe Intention. Wann ist sie indiziert, wann kontraindiziert?
PI = paradoxes Wünschen des Befürchteten, übertrieben und humorvoll-spielerisch, zur Mobilisierung der Selbstdistanzierung. Indiziert bei Erwartungsängsten, Zwangs-, Schlafstörungen. Kontraindiziert bei generalisierten und psychotischen Ängsten.
Q9 · Worin unterscheidet sich die PI von der Paradoxen Intervention und der Symptomverschreibung?
PI = innere Einstellung des Patienten. Paradoxe Intervention (Systemtheorie) = Therapeut gibt Verhaltensanweisung „Behalte das Problem". Symptomverschreibung = Patient soll Symptom bewusst wiederholen.
Q10 · Was ist die zentrale Indikation der Dereflexion und welcher Mechanismus liegt zugrunde?
Indikation: Hyperreflexion — ängstliche Fixierung der Aufmerksamkeit auf Erfolg oder vegetative Funktionen (Schlaf-, Sexual-, Angststörungen). Mechanismus (Scheler): bestimmte Gefühle werden durch Aufmerksamkeitszuwendung beeinträchtigt. Frankl: „Etwas ignorieren kann ich nur, indem ich auf etwas anderes hin existiere."
Q11 · Welche zwei Standardsätze trägt die Panik-Therapie nach Längle?
(1) „Panik bekommt man nicht — Panik macht man sich." (2) „Wer gut atmet — kann unmöglich eine Panik bekommen!" Merkformel: „Keine Panik ohne Enge."
Q12 · Nenne die vier Teile der Zwangstherapie nach Längle und die zwei zentralen ICD-10-Kriterien (F42).
Therapie: (1) Kognitive Arbeit · (2) Angstkonfrontation + Aushalten · (3) Biographische Tiefenarbeit · (4) Begleitmedikation (SSRI in 2–3× höherer Dosis). ICD-10: Symptome als eigene erkannt + Widerstand gegen mindestens einen Zwang. (Weitere F42-Kriterien: nicht an sich angenehm · zutiefst unangenehme Wiederholung · ≥ 14 Tage.)
Q13 · Welches sind die Grundformen der Angst und welches sind die Grundzüge ihrer Behandlung?
Zwei phänomenologische Grundformen: Grundangst (Angst vor dem Nicht-sein-Können, „es hält mich nicht aus" — Erschütterung des fest Gefügten, fehlender Halt in der Welt) und Erwartungsangst (Angst vor der Angst, „ich halte es nicht aus" — sekundäre Schutz-Haltung, fehlender Halt in sich selbst). Behandlung: Grundangst → Anwesenheit (ontologische Arbeit am Seinsgrund); Erwartungsangst → Angstkonfrontation (Einstellungsarbeit); PI erst nach Schaffung der ontologischen Basis.
Q14 · Welche Ausprägungsformen von Erwartungsängsten gibt es und was ist ihr jeweiliger Inhalt (Wovor)?
Neben der reinen Grundangst/Daseins-Angst (Wovor: das Nichts, die Ver-Nichtung) drei Erwartungsangstformen: Depressive Angst/Grundwertangst — Wovor: Seinsverlust durch Beziehungsverlust, Fall in die Kälte/Dunkelheit der Beziehungslosigkeit (2. GM). Hysterische Angst/Selbstwertangst — Wovor: Nichts-Sein, niemand sein; Verlust von Ansehen, Achtung, Würde (3. GM). Existentielle/metaphysische Angst — Wovor: die Nichtigkeit, Sinnlosigkeit und Absurdität des Lebens („für nichts gelebt", 4. GM).
Q15 · Zu welcher Grundform von Angst gehört die Panik?
Panik ist im Grunde immer Entsetzen (Reaktion auf Entsetzen). In der EA gilt sie als Erscheinungsform der Hysterie in Verbindung mit Angst — das hysterische Element treibt die Angstspirale hinauf. Existentielles Thema: Haltverlust in Kombination mit Enge („Keine Panik ohne Enge/Druck").
Q16 · Gib eine existentielle Definition des Zwanges. Worin besteht der „anankastische Käfig"?
Zwang = verzweifeltes Ankämpfen gegen die Unmöglichkeit, absolute Sicherheit im Leben zu bekommen. Der anankastische Käfig: das Bemühen um absolute Sicherheit kann in der realen Welt nicht aufgehen — der Patient produziert sich ständig Erfahrungen, die seine Angst weiter erhöhen (Sätze wie „Ich könnte etwas übersehen haben" sind unwiderlegbar, treffen immer zu und sind unfasslich) → totale Verunsicherung ohne Ausweg. Vier Zwangs-Copings: Sektorisierung der Wirklichkeit · Zuwendung zu Gefühlszuständen · Erstarrung in Ritualen · Vermeiden und Bekämpfen (Aktivismus).
Verbindungen
6_Pruefungskatalog_6_Angst_-_Th_-_Studenten.pdf · GLEANGST-Skriptum (Existenzanalyse der Angst, Version 6, 2025) · LängleLängle A. (2015) Der Kampf um absolute Sicherheit. Psychologie in Österreich 1/2015.