Störungsbilder-Landkarte
Der Störungsbereich der EA ist konsequent an den vier Grundmotivationen entlang gegliedert. Jedes klinische Bild lässt sich danach lesen, welche existentielle Voraussetzung verletzt ist.
Hauptraster der EA-Pathologie
Störung vs. Krankheit
Die Störung bezeichnet eine situative Behinderung des Existenzvollzugs — die Person kann in dieser Situation gerade nicht. Die Krankheit ist die Verfestigung: aus der Behinderung wird eine Verhaltensautomatie mit fixierten Copingreaktionen, die sich unabhängig vom Anlass wiederholt.
Onto-Pathologie
Hinter jeder Störung steht eine verletzte existentielle Voraussetzung — die Onto-Pathologie fragt nicht nach Symptom-Clustern, sondern nach dem ontologischen Mangel: fehlender Halt, fehlende Beziehung, fehlender Selbstwert, fehlender Sinn.
Coping-Reaktionen
Jede GM kennt vier psychodynamische Bewältigungsversuche: Flucht (Vermeidung), Aktivismus (Übertreibung der Anforderung), Aggression (Gegenangriff) und Totstellreflex (Lähmung/Erstarrung). Verfestigte Copings ergeben Persönlichkeitsstörungen.
Zuordnung der Störungsbilder zu den vier Grundmotivationen
1. GM · Sein-Können
Halt · Schutz · Raum
Angststörungen, Phobien, Panikstörung, Zwang, ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung. Onto-Pathologie: das Sein-Können selbst ist bedroht.
2. GM · Mögen-Leben
Beziehung · Zeit · Nähe
Depressionen, somatoforme Störungen, depressive Persönlichkeitsstörung. Onto-Pathologie: das Mögen wird brüchig — das Leben verliert Wert und Beziehungsqualität.
3. GM · Eigen-Sein-Dürfen
Beachtung · Gerechtigkeit · Wertschätzung
Hysterie, Narzissmus, Borderline-Persönlichkeitsstörung, Sozialphobie. Onto-Pathologie: der Selbstwert wird beschädigt, das Eigene findet keinen Halt im Eigenen.
4. GM · Sinn-Wollen
Tätigkeitsfeld · Strukturzusammenhang · Wert in der Zukunft
Suchterkrankungen, anankastische Komponente, existentielle Sinnkrisen. Onto-Pathologie: der Zukunftsbezug bricht — das Leben hat keinen Wert über sich hinaus.
Bereiche dieser Landkarte
1. GM · Angst & Zwang
Angst · Übersicht
Angst als Wahrnehmung des Nicht-sein-Könnens. Längles Definition, Anbindung an die drei Voraussetzungen der 1. GM, Vergleich der Schulen.
ZwangZwang
Phobie gegen die Unsicherheit. Pathogenese, vierteiliges Therapieschema, Evidenzgefühl, anankastische Persönlichkeit.
LernenQuiz · Angst
12 Prüfungsfragen aus dem GLE-Katalog 6 mit präzisen Längle-Antworten — fokussiert auf Differentialdiagnose und Therapie.
2. GM · Depression
Depression · Übersicht
Beziehungsstörung zum Leben. Acht Seiten gliedern den Block: Formen, Trauer, Entstehung, Existenz, Therapie, Übungsfall, Quiz.
TrauerTrauer vs. Depression
Trauer ist die gesunde Aktivität der 2. GM — Depression ihre Lähmung. Acht Achsen der Unterscheidung.
Tor des SterbensDepression · Existenz
Längles tiefste Therapie-Sequenz: vier Schritte am Suizidpunkt, analog zum „Tor des Todes" bei der Angst.
TherapieDepression · Therapie
Acht methodische Elemente, endogene Spezifika (10-Schritt), Angehörigenarbeit (7 Punkte), Erschöpfungsverbot.
FallarbeitDepression · Übungsfall
Längles Original-Übungsfall (53-j. Frau, Major Depression) mit fünf gegliederten Fragen und Antworten.
LernenQuiz · Depression
14 Prüfungsfragen aus dem GLE-Katalog 7 mit Längle-Antworten — Anki-tauglich.
3. GM · Hysterie
Hysterie · Übersicht
Störung der Personwerdung — das nicht gefundene Personsein. EA-Tafel mit drei Schmerzachsen rund um den Kern.
DiagnoseHysterie · Diagnose ICD/DSM
F44 dissoziativ · F60.4 histrionisch · DSM-5 301.50 · Längles 11 Symptome · Anfall vs. Epilepsie.
SchmerzPsychodynamik
Drei Sensibilisierungsachsen (Enge/Pein · Verletzung/Grauen · Einsamkeit/Qual). Schmerz, Anästhesie, Veräußerlichung.
PersonExistentielle Dynamik
Sechs gestörte personale Grundaktivitäten. „Sich nicht gegenübertreten" und „von anderen nicht gesehen werden".
TherapieHysterie · Therapie
10 Schritte. Bei histrionischer PS: nicht konfrontieren, sondern erklären. Spirale bis zur personalen Geburt.
SuizidalitätParasuizid vs. Suizid
Verantwortungsübergabe statt Übernahme. Wörtliche Längle-Formel an Angehörige bei Suizid-Drohung.
LernenQuiz · Hysterie
12 Lernfragen mit präzisen Längle-Antworten — Begrifflichkeit, DD, Therapieprinzipien.
Querschnitt · Persönlichkeitsstörungen
PS · Übersicht
Verfestigung von Coping-Reaktionen einer GM zur Persönlichkeitsform. Trias Neurose–PS–Psychose nach dimensionalem Schwerpunkt.
BegriffPS · Definition
Persönlichkeit als Erlebnis- und Reaktionsdisposition. Vier Dimensionen gesunder Persönlichkeit als Spiegel der Bilder.
AnbindungPS · Anthropologie
Neurose hat Stellungnahme, PS ist haltloses Reagieren. Vier Grundgefühle bei Störung der jeweiligen GM.
KlassifikationPS · Einteilung ICD/GM
DSM-IV Cluster A/B/C neben Längles GM-Einteilung. Cluster B (dramatisch) = Kernbereich der 3. GM.
TraumaPS · Entstehung
Schichtenmodell: Eintrittsstelle, sekundäre Erschütterung, Epizentren. Beziehungstrauma als häufigste Wurzel.
BorderlineBorderline
Schnittfeld 3. + 2. GM. Spaltungsdynamik, drei Therapie-Phasen, „Schmerz tötet nicht!"
NarzissmusNarzissmus
Kompensierte Selbstwertstörung. Sachlichkeit statt Konfrontation — Patient als „Co-Therapeut seiner selbst".
DissozialDissoziale PS
Kontextverlust + generalisierte Täuschungserwartung. Therapie: Parenting + Kontextualisierung.
LernenQuiz · PS
14 Lernfragen — Definitionen, Cluster, Therapie-Grundsätze, Differentialdiagnose. Anki-tauglich.
Querschnitt · Trauma
Trauma · Übersicht
Existentielle Entwurzelung — erschüttert alle vier Grundbezüge gleichzeitig. „Leidens-Zustand" statt Leidens-Prozess.
EntsetzenTrauma und Existenz
Levinas: anonymes Sein statt potentielles Nichts. Längles vier zerrissene Grundbezüge, drei Schock-Ebenen.
SinnTrauma und Sinn
Frankl: Einstellungswerte als dritter Sinn-Weg. „Trotzdem Ja zum Leben sagen". Posttraumatic growth.
MethodePEA in Distanz
Drei Schutzelemente: heute · für einen Menschen · gemeinsam. Drei-Phasen-Modell. Kontraindikationen.
FolgenTrauma & PS
ICD-10 F62.0. Typ-II-Trauma als Brücke zur Borderline. Alle vier Totstellreflexe simultan.
LernenQuiz · Trauma
12 Lernfragen — Entsetzen, vier Grundbezüge, drei Phasen, Schutzelemente, Posttraumatic Growth.
4. GM · Sucht
Sucht · Übersicht
Erkrankung des Willens. „Enttronung der Person" — drei existentielle Symptome.
MechanismusCirculus vitiosus
Sechs-Schritte-Teufelskreis, zwei Schienen (positiv/negativ), Kipp-Phänomen des Willens.
HaltungenSucht-Haltungen
Vier Elemente: Wunschhaltung · Leidvermeidung · unsicherer Grundwert · Inauthentizität. Pseudo-Sinn.
TherapieSucht · Therapie
11 Therapieschritte, Rückfallvertrag, PEA-Schienung, AA-12-Schritte-Anbindung.
BulimieBulimie
„Borderline der Esstörungen". Befüllung (2.GM) + Entlastung (3.GM). „Als Zuwendung verpackte Abwendung".
LernenQuiz · Sucht
14 Längle-Fragen aus Prüfungskatalog 10 — Wille, Craving, Therapie-Schritte.
Somatische Dimension · Schizophrenie
Schizophrenie · Übersicht
Krankheit der körperlichen Dimension. Verlust des Zusammenhalts. Diathese-Stress-Modell, 1 % Lebenszeitrisiko.
DiagnoseICD-10 F20
9 Symptomgruppen, Schneiders Erstrangsymptome, Plus/Minus-Symptomatik (Crow), 4 Subtypen.
ExistenzExistentielle Themen
„Die Welt setzt sich aus-einander". Drei Grundfragen, dreifach erschütterter Zusammenhalt, Tod im Leben.
TherapieSchizophrenie · Therapie
Längles 13 Leitlinien. Ich-Substitution, Normalisierung, indikativische Sprache, Medikamente unverzichtbar.
LernenQuiz · Schizophrenie
12 Lernfragen — Dimensionsverankerung, Erstrangsymptome, PEA-Kontraindikation, EE-Konzept.
Weitere klinische Themen
Burnout
Sinn-Defizit-Syndrom. „Schaffen ohne Erleben". Intention vs. Intentionalität, Schein-Zuwendung, 5-Phasen-Modell.
QuerschnittAggression
Mobilisierte Lebenskraft. Vier Formen je GM: Haß · Wut · Zorn/Trotz · Zynismus. Diagnostisch unterscheidend.
AkutKrisenintervention
Vier-Schritte-Gesprächsstruktur entlang der GMs: Dasein · Nähe · Eigenes · Sinn. Stabilisierung vor Bearbeitung.
LeiblichkeitPsychosomatik
Anima forma corporis. Drei Leiblichkeitsformen, vier Präsenzformen der Psyche, Weizsäckers Gestaltkreis.
QuerschnittPsychodynamik
Fixierte Coping-Reaktion. Vier Stufen (Grundbewegung · Aktivismus · Aggression · Totstellreflex) — PEA als Antagonist.
Fall-Beispiel
„Ich habe eine Panikstörung"
Klient kommt mit der Selbstdiagnose „Panikstörung". Vor jeder Methodenwahl wird diagnostisch geprüft: Welche GM ist primär betroffen? Steht der fehlende Halt (1. GM) im Vordergrund — oder ist es eine Selbstwertbedrohung in sozialen Situationen (3. GM), die sich als Panik äußert? Erst diese Anbindung entscheidet, ob Halt-Arbeit, PP oder PI das angemessene Werkzeug ist. Die Symptomdiagnose allein wäre therapeutisch leer.
Verbindungen
Längle A. (2016) Existenzanalyse. Existentielle Zugänge der Psychotherapie. Facultas, Wien.