Das vier-dimensionale Menschenbild
Während die franklsche Anthropologie drei Dimensionen unterscheidet (Soma, Psyche, Noos), ergänzt Längles vier-dimensionales Modell die existentielle Dimension – den Vollzug des Lebens in dialogischer Offenheit und Hingabe. Jede Dimension ist zwischen zwei Polen eingespannt, deren „Besorgen“ die existentielle Aufgabe des Menschen ist.
Die vier Dimensionen und ihre Pole
Somatisch
Pole: Krankheit (Schmerz, Schwäche) ↔ Gesundheit (schmerzfrei, kräftig, „reibungslos funktionieren“). Kraft dieser Ebene: somatische Lebenskraft = Körperkraft, Kondition.
Psychisch
Pole: Unlust (unangenehm, zuviel/zu wenig Spannung – subjektiv empfundene Gefahr fürs Leben; bei Entgleisung → Gier) ↔ Lust (angenehm, Befriedigung). Funktionsprinzip: Spannungsreduktion – Schutz des Lebens. Kraft: psychische Lebenskraft = Elan, Vitalität.
Personal-geistig
Pole: Gezwungensein, Verlorensein (Unfreiheit; das als unwahr, schlecht, unrecht Erlebte) ↔ personale Zustimmung (Freiheit; Maßstäbe: 1. GM „wahr“ · 2. GM „gut“ · 3. GM „gerecht = stimmig“). Kraft: personal-geistige Kraft = Stellungnehmen.
Existentiell
Pole: Leere, Verzweiflung (sinnlos, Hergabe, unbeteiligt-sprachlos) ↔ Erfüllung (sinnvoll, existentielle Zustimmung, Hingabe). Weg: dialogische Offenheit. Kraft: existentielle Kraft = Hingabefähigkeit.
Merkhilfe für die Polachsen-Frage („Zwischen welchen Polen ist das Menschsein eingespannt?“): Krankheit ↔ Gesundheit · Unlust ↔ Lust · Unfreiheit ↔ Freiheit · Verzweiflung ↔ Erfüllung. Und die vier Kräfte: Körperkraft – Vitalität – Stellungnehmen – Hingabefähigkeit.
Vertiefung
Verbindungen
Quellen
- Längle, A.: Das existentielle Menschenbild mit den Polen (GLE-Curriculum-Handout 13.2, „4-dimensionales Menschenbild“, Abb. 1).
- Längle, A. (Hrsg.) (2016). Lexikon der Existenzanalyse und Logotherapie (4., erw. Aufl.). Wien: GLE. Stichworte: Anthropologie, Dimensionalontologie.
- Prüfungskatalog 0 (Einführung), Fragen 99–109 (Systematische Anthropologie).