Störungen · Lernfragen

Quiz · Depression

18 Lernfragen aus Längles Prüfungsfragenkatalog 2006 (Therapieausbildung) — Anki-tauglich aufbereitet.

Meta · 60-Sekunden-Take

Diese Sammlung dient der Prüfungsvorbereitung. Jede Frage steht im Summary — die Längle-Antwort öffnet sich beim Aufklappen. Empfohlene Nutzung: Frage lesen, Antwort innerlich formulieren, dann öffnen und vergleichen. Ankoder können die Q/A-Paare direkt übernehmen.

18 Prüfungsfragen

Q1 · Welche Funktion ist in der Depression primär erkrankt — Denken, Gedächtnis, Stimmung?

Die Stimmung (Gemüt). Depression ist eine Gemütskrankheit, im Gegensatz zur Denkstörung bei Schizophrenie und Intuitionsstörung bei Paranoia.

Q2 · Was sind die beiden Grundformen der Depression nach Längle und wie unterscheiden sie sich im Erleben?

De-Pression: von außen kommend, niedergedrückt von Lasten („E-Werte"), Blickrichtung zuerst auf Welt/Probleme, Reaktion: Agitation, Wut gegen die Welt, Angst als Motor. Schwer-Mut / Melancholie: von innen kommend, Versiegen der Lebensquelle („P-Werte"), Blickrichtung zuerst auf eigene Schwäche, Reaktion: Absicherung durch Ordentlichkeit (Tellenbachs Typus melancholicus), Autoaggression.

Q3 · Was sind die vier Kernsymptome der endogenen Depression?

(a) Störung des Antriebs. (b) Störung der Befindlichkeit (mit morgendlichem Pessimum). (c) Störung der Affizierbarkeit (spricht nur auf Negatives an, Grübeln). (d) Störung des Biorhythmus (Schlaf, Appetit, Drüsen, saisonale Häufung April/Mai, Okt/Nov).

Q4 · Was ist der Unterschied zwischen Trauer und Depression?

Trauer ist aktive Verarbeitung eines Verlustes (man trauert über etwas); Depression ist passive Lähmung (man leidet unter Depression). In der Trauer bleiben Affektivität, Entschluss-, Liebes-, Freudefähigkeit erhalten — in der Depression nicht. Trauer, die nicht gelingt, kippt in die Depression.

Q5 · Was sind die gemeinsamen Folgen depressiven und melancholischen Erlebens?

Versagensgefühle, Schuldgefühle, Wertlosigkeit des Lebens / von sich, Freudlosigkeit, Unfreiheit (Nicht-entkommen-Können), Erschöpfung.

Q6 · Welche drei inhaltlichen Entstehungsmuster der Depression unterscheidet Längle?

I. Defizitleben („zu kurz gekommen", Lebensdepression). II. Gefühlsblockade / Wertverlust („zu viel erlitten", Beziehungsdepression). III. Vitalitätsmangel („zu schwach", Versagensdepression — endogen / depressive Persönlichkeit).

Q7 · Was ist die „Gretchenfrage des Depressiven" aus existenzieller Sicht?

Die Frage nach der Grundbeziehung zum Leben: „Mag ich leben? — Ist es gut, daß es mich gibt?" In der Depression ist sie negativ beantwortet (psychisch: „Ich mag nicht leben", existentiell: „Es ist nicht gut, daß es mich gibt"). In der Verzweiflung mündet sie in die Frage: „Wozu noch? — Soll ich (so) weiterleben?"

Q8 · Nennen Sie die vier Schritte am „Tor des Sterbens".

1. Verstehen des Lebensunwertes (Nähe, Zuwendung, Beziehung). 2. Gründe gegen den SM aktivieren (frühere und noch bestehende Wertbezüge). 3. Gefühlter SM — Zulassen des Gedankens, nicht dagegenstellen, Vertiefungsfrage „ruhiger oder unruhiger?". 4. Personale Begegnung als Schutznetz („Mir würde es schlecht gehen").

Q9 · Was ist das zentrale, tiefste Thema der EA in der Behandlung der Depression?

Die gestörte Grundbeziehung zum Leben (Grundwert). Das Zentrale der Therapie ist die Trauer — in Kombination mit der therapeutischen Beziehung die stärkste Grundwert-Induktion. Der tiefste Punkt ist erreicht, wenn es zu einer emotional getragenen Stellungnahme, einem „Ja" zum Leben kommt — einer neuen Haltung dem Leben gegenüber.

Q10 · Welche Rolle spielt die Angst bei neurotischer vs. endogener Depression?

Neurotisch: Angst ist Motor (Komorbidität 60–80 %), Angst vor Gefühlen und neuen Verlusten. Endogen: Angst ist häufig erstes Symptom (Phase 1: Angst vor dem Unheimlichen; später Erwartungsangst, Suizidgefahr); in der Phase selbst versiegt die Angst.

Q11 · Was ist das „depressive Paradox"?

„Wenn es dem Depressiven schlecht geht, geht es ihm besser." Die Krankheit entlastet von Ansprüchen und Schuldgefühlen — depressive Krankheit als Schutz vor pathogenen Ansprüchen. Erklärt Chronifizierung und Therapiewiderstand.

Q12 · Nennen Sie die kognitiven Stile der Depression entsprechend der Beck'schen Triade.

Negative Haltung zur Welt („die Welt ist schlecht"); negative Selbstsicht mit interner Attribution des Negativen („ich bin schlecht"); negative Zukunftssicht / Perspektivenlosigkeit („es hilft eh nichts").

Q13 · Was bedeutet „Erschöpfungsverbot" in der Therapie der endogenen Depression?

„Sie dürfen alles tun, unter einer Bedingung: es darf keine Anstrengung sein." Selbstbegrenzung auf das, was man jetzt kann; nicht gegen Leben und Realität leben. Das Schwerste ist nichts zu tun — sich einfach sein zu lassen.

Q14 · Was sind die drei Voraussetzungen echter Verantwortung (zur Abgrenzung depressiver Schuldgefühle)?

1. Eine Beziehung (sonst Pflicht oder Haftung). 2. Eine sachliche Zuständigkeit. 3. Freiwilligkeit. Fehlen diese, handelt es sich um diffuse Verantwortungsgefühle, die depressive Schuldgefühle erzeugen.

Q15 · Was ist der Sinn von Trauer — und warum ist Trauer nicht pathologisch?

Sinn der Trauer ist die Erhaltung der Beziehung zum Leben: durch das Halten der Beziehung zum Dasein auch unter widrigen Umständen bleibt die Verbindung erhalten, durch die das Leben fließen kann. Trauer ist nicht pathologisch, weil sie aktive Verarbeitung eines Verlustes ist (Affektivität, Entschluss-, Liebes-, Freudefähigkeit bleiben erhalten) — Depression ist demgegenüber prozessorientiert definierbar als blockierte, ausstehende Trauer.

Q16 · Nennen Sie die wichtigsten Symptome der Manie (entlang der Hauptachsen) — und was ist eine Hypomanie?

In der Manie ist „das Minus ins Plus verkehrt": euphorische Stimmung, Gefühl, Bäume ausreißen zu können, kein Problem kann aufhalten (gehobene Befindlichkeit, gesteigerter Antrieb, positiv verschobene Affizierbarkeit). Man erschöpft sich in der manischen Phase und leitet dadurch manchmal die depressive Phase ein. Hypomanie = Vorstufe der Manie.

Q17 · Hat die Depression auch eine Schutzfunktion — wenn ja, für was?

Ja, doppelt: (a) Existentiell warnt die Depression vor einer Lebensgefahr — davor, in der gleichen Art weiterzuleben und den Lebenswert ganz zu verlieren; sie drängt dazu, Umstände und Haltungen zu ändern. (b) Psychodynamisch ist die depressive Krankheit ein Schutz vor pathogenen Ansprüchen und Schuldgefühlen („Wenn es mir schlecht geht, kann niemand etwas von mir wollen") — das depressive Paradox.

Q18 · Was ist die formale Ausgangslage der Depressionsentstehung (allgemeiner Formalismus)?

Werte werden nicht erlebt — durch Mangel oder Verlust → es wird „arm, kalt, freudlos" → Schwächung der Beziehung zum Leben. Statt Zuwendung (Leben/Trauer = Aktivität → Wiedererstarkung, Heilung) erfolgt Abwendung → Depression als Passivität, Lähmung, Starre → Gegenreaktion: Festhalten an Vorstellungen vom „guten Leben" → Erleben der Sein-Sollens-Differenz → „Das ist kein Leben (mehr)" → Resignation und Todessehnsucht. Teufelskreis: „Es tut sich nichts — ich tue nichts."

Fall-Beispiel

Fall· Prüfungssimulation

„Wie würden Sie diagnostisch vorgehen?"

Klassische Prüfungsfrage: Patientin, 53 Jahre, depressive Symptomatik nach Verkehrsunfall mit Tod von Mutter und Verlobten. Erwartete Antwort: Major Depression mit neurotischem Schwerpunkt und somatischer Beteiligung — keine Phasen. Verständnis: Trauerblockade. Therapieeinstieg: Beziehung, Entlastung, Erleben. Tiefer: PEA. (Siehe ausgearbeiteten Übungsfall.)

Quellen
  • 7_Pruefungskatalog_7_Depression_-_Th_-_Studenten.pdf · GLE 2006