Suizidalität · Parasuizid und Verantwortungsübergabe
Bei Hysterikern liegt meist keine echte Suizidalität vor, sondern Parasuizidalität — Appell, Druckmachen, Hilferuf. Die EA-Linie ist konsequente Verantwortungsübergabe.
Suizidabklärung in der Therapie — 4 Schritte
Was braucht er jetzt?
Nicht zuerst: „Wie gefährlich ist es?" — sondern: „Was braucht dieser Mensch in diesem Moment?". Zuwendung, Verstehen, Ruhe. Erst dann differenzieren.
Selbsteinschätzung des Hilfebedarfs
Den Patienten selbst einschätzen lassen — „Was brauchen Sie heute Nacht? Wie lange schaffen Sie es?". Selbsteinschätzung übt Mitte und Verantwortung.
Zwischenruf-Anrufe — Verantwortungsübergabe
Bei Anrufen außerhalb der Stunde nicht in Bereitschaftsdienst verfallen. Kurz zuhören, dann zurückgeben: „Bis wann schaffen Sie es? Was hilft Ihnen heute Abend?". Verantwortung bleibt beim Patienten.
Echte Suizidalität — Suizidversprechen
Liegt echte Suizidalität vor: ausdrückliches Suizidversprechen geben lassen — „Sie versprechen mir, sich bis zum nächsten Termin nichts anzutun." Klare Absprache, klarer Rahmen, ggf. stationäre Einweisung.
Betreuung Angehöriger, die mit Suizid bedroht werden
Hintergrund klären
Wer droht wem? Seit wann? In welchen Situationen? Wer reagiert wie? Erst die Dynamik verstehen, dann handeln.
Hilfe vermitteln
Therapeutische Anbindung der bedrohenden Person empfehlen, Akut-Hotlines benennen, Klinikadressen. Der Angehörige ist nicht zuständig für die Behandlung.
Verantwortungsübergabe — wörtliche Längle-Formulierung
Der Angehörige übt — in eigenen Worten oder wörtlich — die Verantwortungsübergabe. Sie entlastet den Angehörigen und konfrontiert die bedrohende Person mit ihrer eigenen Freiheit. (Vollständige Formulierung siehe Vertiefung unten.)
Parasuizid vs. echter Suizid
Funktion
Appell oder Beendigung?
Methode
Sichtbar oder verborgen?
Ankündigung
Wer weiß davon?
Subform
Geste oder Pause?
Fall-Beispiel
22 Uhr: „Ich bringe mich um"
Patient ruft um 22 Uhr an: „Ich halte es nicht aus, ich bringe mich um." Therapeut hört fünf Minuten zu, fragt dann: „Wie lange schaffen Sie es noch — bis morgen früh, bis übermorgen zur Stunde?" Patient: „Bis morgen früh." Termin morgen 9 Uhr fixiert, Versprechen sich bis dahin nichts anzutun. Beim Termin nicht den Appell des Vortages bestätigen, sondern: „Was braucht es jetzt, damit Sie sich heute nicht so allein erleben?" Direkt zum eigentlichen Schmerzthema — Selbsteinschätzung üben, Verantwortung bleibt beim Patienten.
Verbindungen
Längle, A. (1997) · Umgang mit hysterischer Suizidalität/ParasuizidalitätLängle, A. · Skript 2012, Kap. 9.2 · Suizidalität bei Hysterie