ZEITSTRAHL · Existenzanalyse

Von Frankl zur GLE · 1905–2025
← zur Site Wissensnetz ✦

ZEITSTRAHL DER EA

Geschichte von Logotherapie & Existenzanalyse

1905 — 2025
1905

Geburt Viktor E. Frankls in Wien

Viktor Emil Frankl (1905–1997), Neurologe, Psychiater und Psychologe, wird in Wien geboren – der spätere Begründer von Logotherapie und Existenzanalyse. Schon als Mittelschüler interessiert er sich für die Psychoanalyse und korrespondiert mit Sigmund Freud. Es folgt das Studium der Medizin in Wien.

Quelle: EA-Lexikon · Einführung
1920er

Von Freud zu Adler – und darüber hinaus

Frankl geht von Freuds Psychoanalyse zu Adlers Individualpsychologie: 1924 Eintritt in den Verein für Individualpsychologie, 1926 Grundsatzreferat in Düsseldorf, wo er die Neurose „abweichlerisch“ nicht nur als Mittel zum Zweck, sondern auch als Ausdruck der Person deutet. 1927 schließt Adler ihn deshalb aus dem Verein aus. Über Rudolf Allers kommt Frankl mit Max Schelers Phänomenologie in Berührung und widmet sich die nächsten zehn Jahre vor allem dieser Lektüre.

  • Wille zur Lust (Freud) · Wille zur Macht (Adler) · Wille zum Sinn (Frankl)
  • Programm: „Höhenpsychologie“ als Ergänzung der Tiefenpsychologie – Opposition gegen den Psychologismus
Quelle: Einführung („Geschichte in Kürze“) · EA-Lexikon
1926 / 1933

Die Begriffe entstehen

Erste Verwendung der Begriffe: „Logotherapie“ ab 1926, „Existenzanalyse“ ab 1933. Frankl begründet damit die „Dritte Wiener Schule der Psychotherapie“.

Quelle: Einführung
1938 / 39

Theoretische Grundlegung

Die theoretische Grundlegung von Logotherapie und Existenzanalyse erfolgt 1938/1939. Frankl arbeitet in diesen Jahren als Neurologe und Psychiater, später als Primararzt im Rothschildspital.

Quelle: Einführung · EA-Lexikon
1942–1945

Konzentrationslager – die „Verifikation“

1941 lässt Frankl sein Ausreisevisum verfallen, um zum Schutz seiner jüdischen Eltern in Wien zu bleiben; die Erstfassung der „Ärztlichen Seelsorge“ entsteht. 1942 wird er deportiert – insgesamt vier Konzentrationslager; er verliert praktisch die ganze Familie. Die KZ-Erfahrung wird zur „Verifikation“ seiner Anthropologie (Selbst-Distanzierung, Selbst-Transzendenz) und zur experimentellen Bestätigung der Überlebensbedeutung („survival value“) der Sinnfrage.

„… trotzdem Ja zum Leben sagen“Frankl · Buchtitel 1946
Quelle: Einführung · EA-Lexikon
1946ff

Die Hauptschriften erscheinen

Von 1945 bis 1970 ist Frankl Primararzt der neurologischen Abteilung der Wiener Poliklinik; 1946 folgen Habilitation und das zweite Doktorat (Psychologie). Die theoretischen Hauptschriften entstehen: „Ärztliche Seelsorge“ (1946) als logotherapeutisches Grundwerk und „… trotzdem Ja zum Leben sagen“ (1946), später u. a. „Der unbewußte Gott“, „Die Psychotherapie in der Praxis“, „Der leidende Mensch“ und „Theorie und Therapie der Neurosen“.

Quelle: EA-Lexikon
1959

Internationale Ausstrahlung

Gemeinsam mit V. v. Gebsattel und J. H. Schultz gibt Frankl 1959–1961 das fünfbändige „Handbuch der Neurosenlehre und Psychotherapie“ heraus. 1961 Gastprofessur bei Gordon Allport in Harvard; es folgen Gastprofessuren und Gastvorlesungen an insgesamt 208 Universitäten weltweit, 1970 die Professur für Logotherapie in San Diego. Bilanz: 31 Bücher in 24 Sprachen, 28 Ehrendoktorate, zahlreiche Ehrungen.

Quelle: EA-Lexikon
1982 / 83

Wiener Institut & Gründung der GLE

1982 wird das Wiener Institut für Logotherapie gegründet, 1983 die Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse (GLE) in Wien.

Quelle: Einführung
1988

„Entscheidung zum Sein“ · Die SEM

Alfried Längle entwickelt im Rahmen der Logotherapie die Sinnerfassungsmethode (SEM) – vier Schritte: Wahrnehmen, Werten, Wählen, Wirken. Erstpublikation als „Wende ins Existentielle. Die Methode der Sinnerfassung“ im Sammelband „Entscheidung zum Sein“ (Piper 1988). Die SEM „zeichnete die Entwicklung der Grundmotivationen der Existenzanalyse vor“.

Sinn ist „die wertvollste Möglichkeit in einer Situation“.Längle 1988
Quelle: Methoden · SEM
1988–1990

Die Personale Existenzanalyse entsteht

Längle entwickelt die PEA – die zentrale Methode der Existenzanalyse: ein Prozessmodell vom Eindruck über die Stellungnahme zum Ausdruck (PEA 0–3). Erstpublikation 1993 im Tagungsband „Wertbegegnung“, das Praxis-Handbuch „Praxis der Personalen Existenzanalyse“ folgt 2000. Die methodische Ausgestaltung des erweiterten Personkonzepts wird 1991 einer der vier Trennungsgründe Frankls.

Person ist „die vernehmende, stellungnehmende und im Ausdruck sich selbst gestaltende Einheit“.EA-Lexikon
Quelle: Methoden · PEA — EA-Lexikon (PEA: „1988 bis 1990 entwickelt“)
1991

Trennung Frankls von der GLE

Frankl trennt sich von der GLE. Anstoß nahm er an vier Punkten:

  • der Erweiterung des Personkonzepts mit ihrer methodischen Ausgestaltung (PEA)
  • der Relativierung des Sinntheorems
  • der Einführung der biographischen Methode
  • der als notwendig erachteten Selbsterfahrung in der Ausbildung

Seither zwei Richtungen: „originäre Logotherapie“ (Frankl, Lukas) und Existenzanalyse (GLE) als eigenständiges Verfahren.

Quelle: Einführung
1992

Die vier Grundmotivationen

Frankls Motivationslehre kannte eine Kraft: den Willen zum Sinn (die spätere 4. GM, methodisch schon 1988 in der SEM gefasst). Längle erkennt, dass dem Sinn drei Grundbedingungen vorausgehen – Sein-Können, Leben-Mögen, Selbstsein-Dürfen. Der Erkenntnismoment: ein Frühlingsmorgen vor dem Kirchröder Turm in Hannover, auf dem Weg zu einem Seminar der ersten Ausbildungsgruppe. 1992 führt er die Grundmotivationen in die Existenzanalyse ein (Grundsatzreferat, 3. 4. 1992, Zug). Ausbau danach: GM-Tisch-Schema (1997), „Was bewegt den Menschen?“ (1999), Hauptpublikation „Die Grundmotivationen menschlicher Existenz als Wirkstruktur existenzanalytischer Psychotherapie“ (2002).

„… und nannte sie von da an ‚Grundmotivationen‘ – weil alle anderen Motivationen von ihnen getragen werden und auf ihnen aufruhen.“Längle, Existenzanalyse 19/2+3 (2001)
Quelle: EA-Lexikon (GM: „von A. Längle 1992 eingeführt“) · Methoden-Übersicht (Kirchröder-Turm-Anekdote)
1993

„Wertbegegnung“ — PEA publiziert · das Emotionsmodell

Der Tagungsband „Wertbegegnung. Phänomene und methodische Zugänge“ bringt die Erstpublikation der PEA — und mit dem „Glossar zu den Emotionsbegriffen“ das prozessuale Emotionsmodell: Die primäre Emotion (Affekt, Impuls, phänomenaler Gehalt) wird durch personale Verarbeitung zur integrierten Emotion — dem stimmigen, authentischen Gespür als Ausdruck des Gewissens.

Quelle: EA-Lexikon (Emotionstheorie: „prozessuales Emotionsmodell von Längle (1993)“) · Themen · Emotion
1993ff

Staatliche Anerkennung & Ausbau

Die Existenzanalyse wird vom österreichischen Gesundheitsministerium als wissenschaftlich fundiertes Psychotherapieverfahren anerkannt. Es folgt der Ausbau von PEA, GM-Lehre, Emotionstheorie, Traumatherapie und PS-Behandlung.

Quelle: Einführung
1997

Tod Viktor Frankls

Viktor Frankl stirbt in Wien (1905–1997). Vorlesungen und Vorträge hielt er bis 1996; 1997 erscheinen auch seine Lebenserinnerungen „Was nicht in meinen Büchern steht“.

Quelle: EA-Lexikon · Einführung
2003 → 2010

Die Emotionslehre wird Theorie

Die GLE-Tagung und der Sammelband „Emotion und Existenz“ (2003) rücken das Gefühl ins Zentrum der Existenzanalyse. 2010 legt Längle mit dem Hauptvortrag „Gefühle – erwachtes Leben. Zur Begründung und Praxis der existenzanalytischen Emotionstheorie“ die ausgearbeitete Emotionslehre vor: Fühlen als Nahsinn, Spüren als Fernsinn — und die Gefühle den vier Grundmotivationen zugeordnet.

Gefühle sind Wahrnehmungen von Lebensrelevantem.Längle 2010
Quelle: Themen · Emotion · Fühlen und Spüren — EA-Lexikon (Emotionstheorie)
2016

Lexikon · 4., erweiterte Auflage

Das „Lexikon der Existenzanalyse und Logotherapie“ (Hrsg. A. Längle) erscheint in 4., erweiterter Auflage (Wien: GLE).

Quelle: Quellenblöcke der GM-Seiten
2025

Aktuelle Lehrbuch-Auflagen der GLE

Die GLE-Lehrbücher liegen 2025 in aktuellen Auflagen vor: das Lehrbuch zur 1. Grundmotivation in 13. Auflage, das Lehrbuch zur 2. Grundmotivation in 3. Auflage und das Lehrbuch zur 3. Grundmotivation in 12. Auflage.

Quelle: Quellenblöcke GM1–GM3

Ende des Zeitstrahls · die Geschichte geht weiter

Weiter ins Wissensnetz ✦